25. Oktober 2013

Stimmungsbarometer: IKT-Gründer in Deutschland

Rahmenbedingungen für junge IKT-Unternehmen stimmen, wesentliche Probleme bleiben aber dennoch bestehen.

Auf die Frage, wie denn nach der Bundestagswahl so die aktuelle Stimmung unter den jungen IKT-Gründern in Deutschland ist, habe ich unlängst in einem Interview für deutschland.de ohne Zögern geantwortet: „Die Stimmung ist allgemein gut!“ Und das aus gutem Grund, denn Junge Gründer auch und insbesondere in der IKT-Branche sind zu einem zentralen Thema in der Wirtschaft, der Gesellschaft und in der Politik geworden. Sie sind ein wesentlicher Innovationstreiber und sichern die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland in der Zukunft. Schon heute lassen sich zahlreiche Impulse für den Arbeitsmarkt nachweisen und junge Unternehmen bieten viel Potenzial für den aufstrebenden Nachwuchs aber auch den dynamischen Manager mit Berufserfahrung.

Der Standort Deutschland zeichnet sich vor diesem Hintergrund durch eine sehr gute Infrastruktur, qualifizierte Arbeitskräfte, eine hohe Binnennachfrage mit zugehöriger Kaufkraft sowie geregelten rechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen und Geschäftsprozesse aus. Das alles bildet ein gutes Umfeld, um auch junge IKT-Unternehmen wachsen zu lassen. Ein wesentliches Problem ist jedoch die Tatsache, dass unser Ausbildungssystem immer noch zu sehr auf das Angestelltenwesen ausgerichtet ist. (E-)Entrepreneurship muss zu einem Kernfach in Schule und Hochschule werden, damit aus dem Land der Dichter und Denker auch ein Land der Unternehmer wird. Und wir brauchen Unternehmer und eben keine Unterlasser in Deutschland, wenn wir in Zukunft weiter im internationalen Wettbewerb mitspielen wollen!

Ein weiteres Problem ergibt sich im Bereich der Finanzierung, wenn insbesondere in der späteren Wachstumsphase ein höherer Kapitalbedarf adressiert wird. Während wir am Anfang in der Seedphase inzwischen über Business Angels und Inkubatoren relativ gut ausgestattet sind, kann man große Venture Capital-Runden in der Wachstumsphase in Deutschland kaum beobachten. Hier gilt es neue Impulse zu setzen. Denn nur wenn wir mit passenden Finanzierungsinstrumenten und großen VC-Fonds auch aus Deutschland heraus dieses Wachstum für junge Unternehmen stemmen können, wird es uns gelingen, auch weiterhin die Weltmarktführer von morgen zu entwickeln. Die Alternative wäre für IKT-Gründer ein zu früher Verkauf des Unternehmens oder der eigenen Anteile an ausländische Investoren oder Konkurrenten, womit die eigene Selbstständigkeit oftmals aufgegeben wird.

Auch die Gewinnung von Fachkräften stellt immer noch ein Problem dar, denn die Ausbildungssysteme an Schulen und Hochschulen produzieren gerade in den kreativen MINT-Fächern zu wenig Absolventen für den heimischen Arbeitsmarkt. Hier gilt es, die Qualifikation der Fachkräfte in Aus- und Weiterbildung in den benötigten Bereichen zu stärken, mit klaren und einheitlichen Abschlüssen zu versehen und gleichzeitig den Talenten aus dem Ausland einen einfachen Weg nach Deutschland zu bereiten, um deren Wertschöpfung für heimische Unternehmen zu nutzen. Deutschland hat das Potenzial, um nicht nur dem eigenen Nachwuchs eine Zukunft in jungen Wachstumsbranchen zu bieten, sondern auch eine weltweite Heimat für (E-)Entrepreneure und qualifizierte Fachkräfte zu werden.

Was kann also getan werden? Der Beirat Junge Digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt für seinen Bereich beispielsweise Maßnahmen im Spektrum der Durchführung von IT­-Roadshows in Schulen, der Förderung eines positiven Rollenbildes des Unternehmers im Sozial- und Politikunterricht, der besseren Ausstattung und Förderung von Programmier- und Informatik-Unterricht, der Ausweitung einer Vermittlung von BWL-Grundkenntnissen im Lehrplan sowie die Förderung von Schülerfirmen bzw. Grundlagen für spätere Unternehmensgründungen. Sicherlich können diese Empfehlungen nicht nur bundesweit, sondern auch für NRW ein Ansatzpunkt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Tobias Kollmann

Prof. Dr. Tobias Kollmann

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Tags:

  • IKT-Markt,
  • IKT-Politik,
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